Konrad Kujau

Transkript:

Das Geburtstagskind des Tages ist Konrad Paul Kujau, der am 27. Juni 1938 in Löbau einem kleinen sächsischen Städtchen geboren wurde. Die Jahre von 1945 bis 1951 verbrachte er im Waisenhaus. Danach fand die Familie, die der Krieg auseinandergerissen hatte, wieder zusammen. Schon während seiner Schulzeit wurden seine Karikaturen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Nach seinem Abitur 1956 war Kujau für ein Jahr an der Kunstakademie Dresden eingeschrieben. Danach verließ er die DDR und ging nach Westberlin. Sein Studium setze er 1958 an der Kunstakademie Stuttgart fort, brach es 1961 ab und arbeitete seitdem als Maler, Kunstfälscher und Aktionskünstler.
Weltruhm erlangte Konrad Kujau mit der Fälschung von Hitlertagebüchern, die er für 9,3 Millionen DM an den Stern verkaufte. Der präsentierte am 25. April 1983 diesen Sensationsfund. Doch schon elf Tage später flog die Fälschung auf und der Stern blamierte sich bis auf die Knochen. Für Kujau bedeutete dies drei Jahre Haft. Aber er hatte wohl auch einen Riesenspaß damit, die Welt an der Nase herumzuführen. In einem Interview mit Thomas Gottschalk 1985 sagte Kujau lachend und sich fröhlich die Hände reibend: „Ich habe schon etwas beschissen, aber es hat auch viel, viel Freude gemacht, vor allem, wenn man die großen Experten mal richtig auf’s Kreuz legen kann.“ Diese Schadenfreude konnten dann Millionen von Zuschauern bei der Verfilmung des Vorfalls durch Helmut Dietl nachempfinden, der den Stoff unter dem Titel „Schtonk“ im Jahr 1992 in die Kinos brachte. Der Film erhielt den Deutschen Filmpreis und wurde als bester nicht-englischsprachiger Film für den Oskar nominiert.
Kujau verstand es als Maler meisterhaft, Gemälde berühmter Kollegen zu kopieren, die er jedoch offen als Kopie vertrieb, signiert mit seinem eigenen Namen. Bei seinen Kopien hält er sich an drei strenge Regeln: „Erstens: Der kopierte Maler muss seit mindestens 70 Jahren tot sein, sonst gibt es Ärger mit dem Urheberrecht. Zweitens: Neben der Signatur des toten Malers muss der eigene Name stehen, sonst gibt es Ärger mit der Polizei. Und, drittens: Die Details müssen stimmen.“ Letztere Regel hatte er wohl bei der Fälschung der Hitler Tagebücher noch nicht beherzigt, denn die Geschichte flog unter anderem auch deswegen auf, weil er falsche Initialen verwendete.
Dass an der Echtheit der Bilder alter Künstler gezweifelt wurde, scheint wohl normal. Kujau selbst sagte einmal: „Matisse hat 2000 Bilder gemalt, von denen sich 4000 in den USA befinden.“ Aber er sieht das locker: „Bilder sollen gefallen. Ist doch egal, wer sie gemalt hat.“ verriet er seine Sicht auf die Kunst in einem Interview mit dem Spiegel. Bei seinen eigenen Arbeiten hat sich der Maler immer mit dem Leben und den besonderen Schicksalen der Künstler beschäftigt, deren Bilder er „nachempfand“.
Einen echten Kujau zu besitzen wurde lukrativ. Die „Kujaus“ wurden mit der Zeit fast so wertvoll wie die Originale, was dazu führte, dass der Fälscher selbst auch gefälscht wurde. Der Maler, Gastwirt, Sprecher der Deutschen Autofahrerpartei und Kandidat für das Bürgermeisteramt seiner Heimatstadt Löbau und seiner späteren Wahlheimatstadt Stuttgart starb am 12. September 2000 in Stuttgart an den Folgen einer Magenkrebserkrankung.
Als ein Journalist der Sächsischen Zeitung in einmal fragte, was denn in einem Lexikoneintrag über ihn stehen müsste, antwortete Kujau:. »Kujau, Konrad: Maler, Fälscher, Schlitzohr, genau in dieser Reihenfolge.“