Rudolf Steiner

Transkript und Quellen:

Der Philosoph und Esotheriker Rudolf Joseph Lorenz Steiner wurde am 27. Februar 1861 als ältestes von drei Kindern in Kraljevec im Kaisertum Österreich (heute Kroatien) geboren. Der Vater, Johann Steiner, arbeitete dort in einem kleinen Bahnwärterhaus als Bahntelegraphist. 1879 besteht er mit Auszeichnung die Matura in Wien. Der Abiturient ist fleißig, gibt Nachhilfeunterricht, studierte schon in der Schulzeit die Werke Kants, Schellings, Hegels, Fichtes und Darwins und begann selbst philosophische Schriften zu verfassen. Im Oktober 1879 folgte ein achtsemestriges Studium an der Technischen Hochschule in Wien, das durch ein Stipendium möglich war. Er besuchte die verschiedensten philosophischen Vorlesungen, Vorlesungen zur Geschichte, Physik, Chemie, Mechanik, Geologie, Mineralogie, Botanik, Mathematik, Literatur und Literaturgeschichte, Staatsrecht, Zoologie, Medizin und Rhetorik. Im Oktober 1883 verlässt er ohne Abschlussexamen die Wiener Lehreinrichtung. Im Sommer 1890 beginnt Steiner mit seiner Dissertation, die später, zum Teil erweitert, unter dem Titel Wahrheit und Wissenschaft veröffentlicht wurde. 1899 heiratete Steiner Anna Schultz und im Jahr 1914 folgte die Ehe mit der zweiten Frau Marie von Sievers in Dornach.
Wie nur wenige Menschen polarisierte Steiner die Meinungen und tut es auch heute noch, lange nach seinem Tod. War er nun ein Träumer, Visionär oder Spinner?
Rudolf Steiner hat “ eine Art ganzheitliches Paralleluniversum im wissenschaftlich analytischen Zeitalter geschaffen“. Dieses Zitat von Iris Raditsch aus der Zeitschrift Die ZEIT macht deutlich, worin das Geheimnis von Steiners Lehre besteht. Sie ging als Gesamtkomposition einer Haltung hervor, in deren Zentrum die Einheit und Verbundenheit des Lebens auf der ganzen Erde steht. Dies war die Überzeugung der Theosophie. Steiner hatte zeitweise den Vorsitz der Theosophischen Gesellschaft, bis es zur Abspaltung der Anthroposophie kam. Dieses Kunstwort soll die Bezeichnung der Lehre über den Menschen, also der Anthropologie mit der Philosophie verbinden. Steiner beschrieb seine Lehre selbst so: „Es gibt ein Geistiges in jedem Menschen. Auch der sichtbaren Welt um uns liegt ein unsichtbar Wirksames zugrunde, das es zu entdecken und zu erforschen gilt .Die Anthroposophie ist kein Glaubensinhalt, sondern die Anregung, einen Weg des Erkennens zu beschreiten, der gleichzeitig ein Weg der Selbstentwicklung ist; ein Weg, der die eigene geistige Kraft im Menschen aktiviert.“
Steiner widmete sich dem Weltenlauf, der Erziehungskunst, der Landwirtschaft, dem Finanzwesen, der Philosophie, Literatur und Medizin. Die Steinerschen Lehren auf all diesen Gebieten wurden aus dem Glauben gespeist, dass es eine Verbindung und einen Austausch zwischen allem Lebendigen gibt und das Ziel der Menschheit in ihre stufenweisen Vergeistigung und Selbstverbesserung bestünde. Nach seiner Lehre besteht der Mensch aus Geist, Leib und Seele.
Als Emil Molt, der Direktor der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart im Jahr 1919 an Rudolf Steiner die Frage richtet, ob er auf den Grundlagen der Anthroposophie für die Kinder seiner Arbeiter eine Schule konzipieren könne, war die Grundlage der Waldorf-Pädagogik geschaffen. Waldorfpädagogen sind angehalten, das Denken, Fühlen und Wollen ihrer Schützlinge zu schulen. Das bedeutet, intellektuell-kognitive Fähigkeiten werden ebenso wie die künstlerisch-kreativen und die handwerklich-praktischen Fähigkeiten gleichberechtigt bis zum Abitur gefördert.
Die anthroposophische Medizin, erklärte Krankheiten nicht zum Feind des Menschen, sondern sieht sie als einen Teil des Lebens an. Krankheiten sind demnach keine zufällig auftretenden Fehlfunktionen. Sie treten als körperliche oder seelische Störung oder Veränderung auf, wenn die Wechselbeziehungen zwischen Körper, Geist und Seele eines Patienten nicht mehr harmonisch ineinander greifen. So definiert es der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland auf seiner Internetseite. Das Ziel der anthroposophischen Medizin ist daher, das Gesundungspotenzial des Körpers zu stärken unter anderem auch mit Kunsttherapien wie zum Beispiel mit der von Steiner geschaffenen Eurythmie, bei der Musik und Sprache in Bewegung umgesetzt werden.
Nach langer Krankheit verstarb Rudolf Steiner am 30. März 1925 in Dornach in der Schweiz. 400 Bände seiner Schriften, über 1000 Waldorfschulen, mehr als 3000 Bauernhöfe die biodynamische Landwirtschaft betreiben und eine Vielzahl anthroposophischer Kliniken haben ihn unsterblich gemacht. Steiners soziale Dreigliederungsidee, die unter anderem ein arbeitsunabhängiges Einkommen und die Vergemeinschaftung des Kapitals fordert, ist auch heute noch hochaktuell.

Quellen:
http://geboren.am/27_Februar
http://www.zeit.de/2011/08/C-Waldorfschule-Steiner
http://www.zeit.de/2011/08/C-Waldorfschule-Glossar
http://www.paedagogik-goetheanum.ch/Das-Menschenbild-der-anthroposophischen-Paedagogik.988.0.html
http://anthrowiki.at/Rudolf_Steiner
http://www.damid.de/anthroposophische-medizin.html
http://www.anthroposophen.de/