Bernhard Grzimek

Transkript und Quellen:

Ab 1956 erlebten deutsche Fernsehzuschauer auf der Mattscheibe einen „netten älteren Herrn, mit possierlichen Tierchen auf der Schulter, der um Spenden bat“, wie es seine Biografin Claudia Sewig einst formuliert hatte. Die Sendung „Ein Platz für Tiere“ von Prof. Bernhard Grzimek wurde in kürzester Zeit zum Publikumsliebling und erreichte Millionen von Zuschauern. Für lange Zeit war Grzimeks Sendung mit einer Mischung aus Unterhaltung und Aufklärung die meistgesehene im deutschen Fernsehen. Mit 175 Folgen wurde sie zu einer der weltweit erfolgreichsten Dokumentarserien.
Bernhard Grzimek wurde am 24. April 1909 im oberschlesischen Neiße in Polen geboren. Schon als Kind liebte er Tiere sehr. Der Großvater hielt Hühner, die wohl zu seinen ersten Studienobjekten zählten. Über die Hühnerhaltung schrieb Grzimek als Schüler die ersten Bücher. In Leipzig studierte er Veterinärmedizin und eröffnete 1932 eine Tierarztpraxis. Als Tierarzt beschäftigte er sich mit Verhaltensforschung bei Tieren. Im Jahr 1945 nach Kriegsende übernahm der begeisterte Tierfreund die Leitung des zerstörten Frankfurter Zoos. Nur noch wenige Tiere waren unter den Trümmern am Leben geblieben. Grzimek baute den Zoo wieder auf und machte ihn zum Publikumsmagneten. Das lag nicht allein am Zoo und seinen Bewohnern. Viele Besucher kamen auch, weil sie hofften, Prof. Grzimek persönlich dort zu treffen. Zur Fütterung und Unterbringung der Tiere spannte er die alliierten Besatzer ein und erwarb in der chaotischen Nachkriegssituation benachbarte Trümmerfelder um den Zoo zu erweitern.
Grzimeks großer Einsatz für Tiere brachte ihm nicht nur Anerkennung sondern bisweilen auch Ärger ein. In Restaurants klebte er Aufkleber in Speisekarten auf denen Froschschenkel angeboten wurden und erhielt dafür schon einmal Lokalverbot. Der Streiter für die Rechte der Tiere nutzte seine Bekanntheit für Kampagnen gegen das Robbenschlachten, die Jagd auf bedrohte Pelztiere und die Käfighaltung von Hühnern. Geschickt setzte er dabei die in Mode gekommenen Massenmedien Film und Fernsehen ein.
Der Mensch Grzimek war weit mehr als ein lieber Fernsehonkel und Wissenschaftler. Es gab noch einen anderen Grzimek, den Abenteurer, den Mann der während seiner Ehe mit Frau Hildegard eine Geliebte und uneheliche Kinder hatte, das ehemalige NSDAP Mitglied, ein Genie der Selbstvermarktung und ein ausgemachten Scherzartikelfan. Kaum zu glauben, dass der begeisterte Tierschützer auch eine Freude daran haben konnte, seine Mitmenschen mit Furzkissen und künstlichen Hundehaufen zu erschrecken.
Unter Willi Brandt war Grzimek der erste Bundesbeauftragte für den Naturschutz, einem Amt von dem er jedoch 1973 wegen mangelnder personeller und finanzieller Ausstattung dieses Referats zurücktrat. 1975 gründete der umtriebige und engagierte Tierfreund gemeinsam mit anderen Umweltschützern den “Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland”, und setzte sich für die Einrichtung verschiedener Nationalparks in Deutschland ein.
Der Autor der bekannten Enzyklopädie „Grzimeks Tierleben“ setzte sich auch und ganz besonders für die Tierwelt in Afrika ein. Der Verhaltensforscher resümierte einst: “Es wäre besser um die Welt bestellt, wenn die Menschen sich wie Löwen benähmen.” Eine Äußerung, die nicht nur Zustimmung fand.
Für den Film „Serengeti darf nicht sterben“, der 1959 entstand, bekam er am 4. April 1960 den Oskar. Es war der erste Oskar überhaupt, der für einen deutschen Film vergeben wurde. Gedreht hat Grzimek diesen Film gemeinsam mit seinem Sohn Michael, der bei den Dreharbeiten tragischerweise durch einen Absturz mit seinem Flugzeug ums Leben kam. Er war maßgeblich beteiligt an der Gründung des Serengeti Research Institute und des Mweka Wildlife College. An beiden Einrichtungen werden heute viele der Wildhüter Afrikas ausgebildet.
Prof. Bernhard Grzimek, der mit seiner Weitsicht, seinem Talent, seinem Wissen und seiner Beharrlichkeit sehr viel für den Umwelt- und Tierschutz bewegte, starb am 13. März 1987 im Alter von 77 Jahren während eines Zirkusbesuches gerade in dem Moment, als die Tigerdressur begann. Der Mann, der das Tierleben Afrikas in deutsche Wohnzimmer brachte wurde neben seinem Sohn Michael im Ngorongo-Krater in Tansania beigesetzt.

Quellen
http://geboren.am/24_April
http://www.ardmediathek.de/bayern-1/neun-vor-neun-bayern-1?documentId=20436882
http://www.ardmediathek.de/bayern-2/radiowissen-bayern-2?documentId=15826990
http://www.abendblatt.de/kultur-live/article161896/Der-wahre-Professor-Grzimek.html
http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13916411/Bernhard-Grzimek-liebte-Tiere-Frauen-und-Furzkissen.html
http://www.planet-wissen.de/natur_technik/tier_und_mensch/arche_zoo/portraet_bernhard_grzimek.jsp
http://www.serengeti.org/deutsch_neu/p_grzimek.html