Ernst Abbe

Transkript und Quellen:

Schon um 500 vor Christus benutzten Griechen und Römer optische Linsen. Damals als Brenngläser. Die ersten Brillen wurden 1285 in Italien gefertigt und im Jahr 1538 beschrieb der italienische Arzt, Dichter und Philosoph Girolamo Fracastoro in seinem Buch „Omocentrici“, dass man Gegenstände größer und näher erkennen kann, wenn man sie durch zwei miteinander verbundene Gläser betrachtet. Das war wohl die Geburtsstunde der Mikroskope. Viele Wissenschaftler arbeiteten seither daran, optische Instrumente herzustellen, mit denen Objekte stark vergrößert betrachtet werden können. Wie gut diese Geräte waren, hing von der Erfahrung und dem Fingerspitzengefühl derer ab, die sie herstellten. Es wurde „gepröbelt“ bis der deutsche Physiker Ernst Abbe mit seinen Berechnungen zur Lichtbrechung und -Beugung die wissenschaftlichen Grundlagen zur Berechnung der Geräte erarbeitete.
Ernst Abbe wurde 1840 in Eisenach geboren und wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. Der Vater Georg Adam Abbe war Vorarbeiter in einer Spinnerei. Im Reifezeugnis bescheinigten die Lehrer dem jungen Abbe die meisten Leistungen mit „recht gut“. Der Vater unterstützte trotz bescheidener finanzieller Möglichkeiten die Ausbildung seines naturwissenschaftlich begabten Sohnes und ermöglichte ihm ein Studium in Jena und Göttingen. Er hörte Vorlesungen zu Physik, Mathematik, Botanik, Philosophie, Logik, Psychologie, Ästhetik, Neueste Geschichte und Pädagogik. Im Jahr 1861 promovierte er in Göttingen. 1863 legt Ernst Abbe die höchstrangige Hochschulprüfung ab. Die Habilitation ermächtigt ihn nun selbst als Hochschullehrer tätig zu werden. Er wird Privatdozent für Mathematik und Physik an der Universität Jena.
Zu dieser Zeit beginnt die Zusammenarbeit von zwei Männern, die die optische Fertigung revolutionieren sollte. Der junge Abbe trifft mit 26 Jahren auf den damals 50jährigen Carl Zeiss. Ernst Abbe sorgte mit seinen Berechnungen für einen wichtigen technologischen Vorsprung im Mikroskopebau von Carl Zeiss. Das machte bahnbrechende Erfolge in Biologie und Medizin möglich.
Der wissenschaftliche Mikroskopebau muss eine Erleichterung für die Werkstattgehilfen gewesen sein, denn wenn ein durch Pröbeln entstandenes Mikroskop den hohen Präzisionsansprüchen von Carl Zeiss nicht genügte, zerschlug er es eigenhändig mit dem Hammer auf dem Amboss. Ungeachtet dieser strengen Qualitätskontrolle war das Betriebsklima der Zeiss Werkstatt sehr gut. Für die Beschäftigten wurden jährliche Betriebsausflüge und andere Festlichkeiten auf Firmenkosten organisiert. 1875 wird Ernst Abbe Teilhaber von Carl Zeiss. Er besaß ein Drittel der Geschäftsanteile und erhielt von Zeiss 40% des Reingewinns. Der Wermutstropfen für Abbe, der stets darum kämpfte, dass wissenschaftliche Erkenntnisse für jedermann zugänglich sein sollen: er konnte sich mit seiner wissenschaftlichen Leistung nicht an der Universität profilieren, denn seine Berechnungen wurden ausdrücklich als Firmeneigentum betrachtet und durften nicht veröffentlicht werden.
Zeiss und Abbe waren nicht nur Unternehmer sondern auch Sozialreformer. Für die Beschäftigten gab es Mitspracherecht, bezahlten Urlaub, Beteiligung am Ertrag, ein verbrieftes Recht auf Pensionsfortzahlung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und seit 1900 auch den Achststundentag, der erst 18 Jahre später in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist. Zur Beziehung Arbeiter-Unternehmer sagte Abbe: “Der Fortschritt auf sozialem Gebiet wird nicht unter der Parole Arbeiter gegen Unternehmer geschehen, sondern unter der anderen: Fortgeschrittene Arbeiter und Unternehmer gegen rückständige Arbeiter und Unternehmer!“
1871 heiratete der Physiker und Sozialreformer Elise Snell. Die Töchter Margarete und Paula werden geboren. Einen weiteren Schub bekommt die Arbeit von Abbe und Zeiss durch die Kooperation mit dem Chemiker und Glastechniker Otto Schott mit der Gründung Glastechnischen Versuchsanstalt Schott und Genossen. Nach dem Tod von Carl Zeiss gründete Prof. Dr. Ernst Abbe am 19. Mai 1889 die Carl-Zeiss-Stiftung. Die bis heute tätige Stiftung hat nicht nur zum Zweck die feintechnische Industrie zu fördern, sie unterstützt und fördert auch wirtschaftliche, wissenschaftliche und gemeinnützige Interessen und Einrichtungen. Für die ungewöhnliche juristische Leistung bei der Ausarbeitung des Stiftungsstatuts, wurde Ernst Abbe im Dezember anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Optischen Werkstätte von der Juristischen Fakultät der Universität Jena zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. Der Ehrenbürger der thüringischen Stadt Jena wurde 1904 von Otto Wiener und Adolf Winkelmann für den Physik-Nobelpreis vorgeschlagen.
Nach längerer Krankheit starb der Wissenschaftler und Sozialreformer Ernst Abbe am 14. Januar 1905 in Jena. Die Anteilnahme der Bevölkerung an den Trauerfeierlichkeiten war groß. Und bis heute ist der Name von Prof. Dr. Ernst Abbe untrennbar mit der Stadt Jena verbunden.
Quellen
http://www.carl-zeiss-stiftung.de/38-0-Ernst-Abbe.html
http://www.ernst-abbe-stiftung.de/portraet/abbe.htm
http://www.der-ehrbare-kaufmann.de/zum-leitbild-des-ehrbaren-kaufmanns/ehrbare-kaufleute/ehrbare-zitate/
http://www.mikroskop-museum.de/geschichte_17jh.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Abbe