Friedrich Hölderlin

Transkript und Quellen:

Im Jahr 1984 kam der Film „Hälfte des Lebens“ in die damals ostdeutschen Kinos, der mir erst kürzlich als DVD wieder in die Hände fiel. Ein Film über den deutschen Dichter Friedrich Hölderlin. In den Hauptrollen Ulrich Mühe als Hölderlin und Jenny Gröllmann als seine große Liebe Susette Gontard. Regie dieses vielgerühmten Werkes führte Herrmann Zschoche. Das Drama schildert 10 Jahre im Leben Hölderlins, der die Hälfte seines Lebens in geistiger Umnachtung zubrachte. „Hälfte des Lebens“ ist auch der Titel von Hölderlins berühmtesten Gedicht, das 1805 zusammen mit acht anderen Gedichten unter dem Titel „Nachtgesänge“ erschien:
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser. 

Weh mir, wo nehm ich,
wenn
Es Winter ist,
die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt,
im Winde
Klirren die Fahnen.

Johann Christian Friedrich Hölderlin war einer der bedeutendsten deutschen Lyriker. Er wurde am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar geboren. Der Vater, Heinrich Friedrich Hölderlin, starb als der Junge zwei Jahre alt war. Hölderlins Mutter Johanna Christiane war eine Pastorentochter, die diesen beruflichen Weg auch für ihren Sohn vorgesehen hatte. Der junge Hölderlin kommt dem Wunsch der Mutter nach. Er besuchte die Latein- und Klosterschulen in Nürtingen, Denkendorf und Maulbronn und studierte bis 1793 am Tübinger Stift. Dort begegnete er den Philosophen Hegel und Schelling. Finanzielle Engpässe zwingen ihn zum Abbruch des Studiums und auf eine Empfehlung von Friedrich Schiller zur Aufnahme einer Tätigkeit als Hauslehrer bei Charlotte von Kalb in Waltershausen in Unterfranken. Ein Verhältnis zu der Gesellschafterin Charlottes, Wilhelmine Kirms, war der Stein des Anstosses, diese Stellung aufzugeben. Hölderlins Tochter Louise Agnese wurde geboren.
Im Jahr 1797 studierte Hölderin Theologie an der Jenaer Universität, wo er auch die Bekanntschaft Johann Wolfgang von Goethes macht. Der fand dass der Dichter „etwas gedrückt und kränklich aussieht. Aber er ist wirklich liebenswürdig und mit Bescheidenheit, ja mit Ängstlichkeit offen.“ Goethe riet ihm kleine Gedichte zu machen.
Wieder nimmt er eine Stellung als Hauslehrer beim Bankier Gontard in Frankfurt an, wo er sich unsterblich in die Hausherrin Susette Gontard verliebte. Die Liebe wird bekannt. Der junge Hölderin muss das Haus verlassen und ist wieder auf die Unterstützung seiner Mutter angewiesen. Als er vom Tod der Geliebten Susette Gontard erfuhr, die im Jahr 1802 im Alter von 34 Jahren starb, war das ein schwerer Schlag für ihn. Die Hoffnung auf eine Universitätslaufbahn in Jena war ebenfalls zerschlagen und Hölderlin brach zu einer Hauslehrerstelle nach Bordeaux auf. Von seiner geliebten Heimat Württemberg sagt er: »sie können mich nicht brauchen.« Ein halbes Jahr später kehrte er in einem schlechten seelischen Zustand nach Stuttgart zurück.
Seine Hypochondrie entwickelte sich zum ernsten seelischen Problem und erste Anzeichen geistiger Umnachtung wurden deutlich. Die Mutter pflegte ihn bis 1804. Im Jahr 1806 wurde er in die Heilanstalt Tübingen eingeliefert. Zu dieser Zeit ist Hölderlin 37 Jahre alt. Sein Leben verdunkelt sich und eine zweite tragische Hälfte beginnt, die noch einmal 36 Jahre bis zu seinem Tod währte. Hölderlins Gedichte hatten eine ganz eigene lyrische Stimme. Sie kreisten um die Themen Natur, Liebe, die Bestimmung des Menschen und die göttlichen Mächte. Immer steht das Gefühl im Mittelpunkt.
1807 nimmt der Schreinermeister Ernst Friedrich Zimmer den geistig umnachteten Hölderlin nach 231 tägigem Aufenthalt in der Tübinger psychiatrischen Universitätsklinik zur Pflege in sein Haus auf. Er wohnte in einer Turmstube die heute als “Hölderlinturm” bekannt ist. Dort wird Hölderlin „stiller Gast am Herd“ und begrüßte seine Besucher mit den Worten: »Ich, mein Herr, bin nicht mehr von demselben Namen«. Er verleugnete von da an seinen bürgerlichen Namen und stellte sich seinem Besuchern als »Killalusimeno«, »Buonarotti« oder »Scardanelli« vor.
Am 7. Juni 1843 stirbt Friedrich Hölderlin im Alter von 73 Jahren in Tübingen.

Quellen
http://geboren.am/20_Maerz
http://lyrik.antikoerperchen.de/friedrich-hoelderlin-haelfte-des-lebens,textbearbeitung,32.html
http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/hoelder2/
http://www.hoelderlin-gesellschaft.de/index.php?id=658
http://www.sternenfall.de/H0366lderlin.html