Andre Michelin

Transkript und Quellen:

Was haben Autoreifen mit einer Gourmetküche zu tun? Viel! Wie kommt dann diese kuriose Verbindung zustande?
Am 16. Januar 1853 kam in Clermont-Ferrand (Frankreich) der Mann zur Welt, mit dessen Namen nicht nur die Autoindustrie sondern auch die Tourismusbranche verknüpft ist: Andre Jules Michelin. Eigentlich studierte der junge Michelin in Paris Malerei und eröffnete ein Atelier im Pariser Künstlerbezirk Montparnasse. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Edouard, der ebenfalls ein Kunststudium in Paris absolvierte, erbte er 1888 eine kleine Gummi-Fabrik in Clermont-Ferrand. Das war Ausgangspunkt einer Reihe von Erfindungen, die heute noch in aller Munde sind – und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Andres Bruder Edouard entwickelte einen austauschbaren Fahrradreifen mit Luftschlauch, der 1891 im ersten Radrennen Paris-Brest-Paris zu Einsatz kam. Der Fahrer, dieses mit den neuartigen Reifen versehenen Rades Charles Terront gewann das Rennen und eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Anfang. „Der Luftreifen schluckt die Hindernisse”, sagt André Michelin 1893 auf einer Ingenieurskonferenz in Paris, auf der er die Vorteile seiner Erfindung beschrieb. Bereits 1896 fuhren mehr als 300 Pariser Taxis mit Michelin-Luftreifen.
Die Gebrüder Michelin kümmerten sich nicht nur um die Herstellung von Reifen, sie machten sich auch Gedanken darüber was passiert, wenn ein solcher Reifen reparaturbedürftig sein sollte. Die Touristikabteilung erarbeitete für diese Fälle einen Werkstatt-Wegweiser für die weniger als 3.000 Autofahrer, die es damals in Frankreich gab. Dieser Wegweiser wurde unter dem Namen Guide Michelin [ɡid miʃ.lɛ̃] erstmals im Jahre 1900 in einer Auflage von 35.000 Exemplaren gedruckt und zunächst ausschließlich auf Frankreich begrenzt herausgegeben. Damit hatten die Brüder eine echte Marktlücke entdeckt. In ihrem Guide Michelin gaben sie neben Hinweisen auf Werkstätten, Batterieladestationen und Benzindepots außerdem Tipps zum Umgang mit Auto und Reifen.
Das zunächst nur in Frankreich verfügbare Werk wurde bald auch für weitere Länder herausgegeben. Heute ist der Guide Michelin [ɡid miʃ.lɛ̃] ein Hotel- und Reiseführer, der jährlich in unterschiedlichen Länderversionen erscheint. Der bekannte Rote Michelin ist ein Führer für Restaurants und Hotels, der Grüne Michelin ein allgemeiner touristischer Führer.

Die erste Ausgabe für Deutschland erschien im Jahr 1910. Ab 1923 wurden auch Hotel und Restaurantempfehlungen aufgenommen. Die Gastronomie spielte dabei eine zunehmend größere Rolle. Der Guide Michelin vergab 1926 erstmals Sterne für eine gute und sehr gute Küche. Ein Stern bedeutet „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung“, zwei Sterne stehen für „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ und für die Einschätzung „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“ werden drei Sterne vergeben. Diese Einteilung ist auch heute noch gültig und es ist nach wie vor auch heute noch ein kulinarisches Adelszeichen einen oder gar mehrere der begehrten Sterne zu erhalten. Absoluter Spitzenreiter der Sterneköche ist Paul Bocuse mit seinem Restaurant L’Auberge du Pont de Collonges bei Lyon der seit 1965 bis heute jedes Jahr drei Michelin-Sterne erhielt.
Der besondere Reiseführer der Brüder Michelin gehörte auch zum Gepäck der Alliierten Soldaten, als sie am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten. Sie nutzten ihn zur Orientierung, da durch den Krieg die meisten Wegweiser und Beschilderungen zerstört waren.
Andre und Edouard Michelin entwickelten Fahrrad und Autoreifen und seit 1912 auch Eisenbahnräder, begannen 1927 eine Initiative zur Straßenbeschilderung und trugen mit ihren Guide Michelin entscheidend zur Entwicklung des Automobiltourismus bei.
1891 haben die künstlerisch begabten Brüder die Idee zum Michelin Mann. Andre Michelin lässt sich von einem Werbeplakat, das einen dicken Bier trinkenden Bayern zeigt zu einer Idee anregen. Vorher schon bemerkte sein Bruder Edouard nach einem Blick auf einem Stapel Reifen: „Wenn er Arme hätte, sähe er fast wie ein Mensch aus”. Die Idee zum Michelin Mann war geboren: Andre Michelin bestellte Werbeplakate auf denen ein Reifenmann einen mit Glasscherben und Nägeln gefüllten Pokal hoch hält mit dem Trinkspruch: „Auf Ihr Wohl! Michelin schluckt die Hindernisse!” Der ursprünglich aus 40 Reifen bestehende Mann musste zwar mit der Zeit gehen und in den letzten Jahren auf 26 Reifen abspecken, wurde jedoch im Jahr 2000 von der Financial Times zum besten Logo aller Zeiten gewählt.
Andre Michelin starb am 4. April 1931 in Paris. Sein Bruder Edouard Michelin führte die Geschäfte bis zu seinem Tod am 25. August 1940 weiter. Das Unternehmen beschäftigt heute weltweit 113.400 Mitarbeiter und besitzt Vertriebsorganisationen in über 170 Ländern. Produziert wird in 69 Werken in 18 Ländern auf fünf Kontinenten.
Quellen
http://geboren.am/16_Januar
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?RID=1&PID=2269
http://www.michelin.de/unternehmen/michelin-mannchen-bibendum
de.wikipedia.org/wiki/Guide_Michelin‎