Kurt Tucholsky

Transkript mit Quellen:

Am 9. Januar 1890 wurde in Berlin Moabit einer der bedeutendsten und meistgelesenen Schriftsteller der Weimaer Republik geboren: Kurt Tucholsky. Erich Kästner beschrieb ihn als kleinen dicken Berliner, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte. Tucholsky hat viele Talente, war Schriftsteller, Satiriker, Zeitkritiker, schrieb Chansons und arbeitete als Musikkritiker. Für so viele Facetten reicht wohl ein Name nicht aus. Tucholsky arbeitete neben seinem eigenen Namen auch noch unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger und Peter Panter.
Als der junge Tucholsky 15 Jahre alt ist, stirbt der Vater, ein jüdischer Kaufmann. Er hinterließ dem Sohn ein recht ansehnliches Erbe. Die Familie lebte in Berlin und Stettin. Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte Tucholsky bereits in der satirischen Beilage des Berliner Tageblatts erste Arbeiten. Später studierte er in Berlin und Genf Jura und promovierte in einem zweiten Anlauf 1915 in Jena. Den Doktor der Rechtswissenschaft erhält er für eine Arbeit zum Hypothekenrecht mit dem gar nicht prosaischen Titel „Die Vorbemerkung aus § 1179 BGB. und ihre Wirkungen“. In diese Zeit fällt der erste Weltkrieg und der frisch gebackene Doktor der Juristerei wird an die Ostfront eingezogen und muss für dreieinhalb Jahre als Soldat dienen. Diese Erlebnisse lassen ihn zum engagierten Kriegsgegner und linksorientierten politischen Schriftsteller werden. 1918 lässt sich der jüdische Dichter evangelisch taufen. Über seine Beziehungen gibt er selbst nüchtern Auskunft in der eigenhändigen Vita für den Einbürgerungsantrag zur Erlangung der schwedischen Staatsbürgerschaft: „Tucholsky hat im Jahre 1920 in Berlin Fräulein Dr. med. Else Weil geheiratet; die Ehe ist am 14. Februar 1924 rechtskräftig geschieden. Am 30. August 1924 hat Tucholsky Fräulein Mary Gerold geheiratet; die Ehe ist am 21. August 1933 rechtskräftig geschieden. Tucholsky hat keine Kinder sowie keine unterstützungsberechtigten Verwandten, die seinen Aufenthalt in Schweden gesetzlich teilen könnten.“
Peter Böthig, der das Tucholsky Museum in Rheinsberg leitet, charakterisiert den Dichter so: „Eine Künstlernatur. Hochsensibel, hochbegabt. Zugleich ein Mann, der ein sehr starkes soziales Engagement besaß. Den interessierten tatsächlich die Menschen. Er wollte verstanden und gelesen werden. Er wollte wirken.“ Das galt nicht nur im politischen Bereich. Auch was gesellschaftliche Normen anbelangt, hob Tucholsky den schelmisch-satirischen Zeigefinger, wie im Gedicht „Der andere Mann“

Du lernst ihn in einer Gesellschaft kennen.
Er plaudert. Er ist zu dir nett.
Er kann dir alle Tenniscracks nennen.
Er sieht gut aus. Ohne Fett.
Er tanzt ausgezeichnet. Du siehst ihn dir an…
Dann tritt zu euch beiden dein Mann.

Und du vergleichst sie in deinem Gemüte.
Dein Mann kommt nicht gut dabei weg.
Wie er schon dasteht – du liebe Güte!
Und hinten am Hals der Speck!
Und du denkst bei dir so: “eigentlich …
der da wäre ein Mann für mich ! ”

Ach, gnädige Frau! Hör auf einen wahren
und guten alten Papa!
Hättst du den Neuen: in ein, zwei Jahren
ständest du ebenso da!
Dann kennst du seine Nuancen beim Kosen;
dann kennst du ihn in Unterhosen;
dann wird er satt in deinem Besitze;
dann kennst du alle seine Witze.
Dann siehst du ihn in Freude und Zorn,
von oben und unten, von hinten und vorn …
Glaub mir: wenn man uns näher kennt,
gibt sich das mit dem happy end.
Wir sind manchmal reizend, auf einer Feier …
und den Rest des Tages ganz wie Herr Meyer.
Beurteil uns nie nach den besten Stunden.
Und hast du einen Kerl gefunden,
mit dem man einigermaßen auskommen kann:
dann bleib bei dem eigenen Mann!

Bereits 1930 erkannte Tucholsky: “Dass der Nazi dir deinen Totenkranz flicht – Deutschland, siehst du das nicht?” Er hat es gesehen, seine Schriften wurden von den braunen Schergen verbrannt und sein Name auf die erste Ausbürgerungsliste des NS-Staates gesetzt. Tucholsky emigrierte nach Schweden. Er, der einst zu den bestbezahlten deutschen Journalisten zählte, publizierte seit 1931 kaum noch. Beispiele seiner großen literarischen Tätigkeit sind Werke wie: »Der Zeitsparer«, »Fromme Gesänge«. »Träumereien an preußischen Kaminen«, »Ein Pyrenäenbuch«, »Mit 5 PS«. »Das Lächeln der Mona Lisa«. »Deutschland, Deutschland über alles«. »Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte«. »Lerne lachen ohne zu weinen«. oder »Rheinsberg« .
Der nach eigenen Angaben „Pazifist schärfster Richtung“ trat gegen Kriegshetzerei auf, wo er nur konnte. Ja, er nimmt es den jüdischen Mitbürgern sogar übel, dass sie sich nicht durch eine Massenflucht dem Naziregime entzogen haben. Seine Werke werden daraufhin in Israel über 45 Jahre nicht verlegt.
Am 21. Dezember 1935 stirbt der in den vorangegangenen Jahren stets kränkelnde Kurt Tucholsky in Hindas in Schweden im Alter von 45 Jahren an den Folgen einer Überdosis eines Schlafmittels. Ob dies nun ein Freitod oder ein Mordkomplott der Nazis war, darüber gibt es widersprüchliche Theorien.

Quellen:
http://www.textlog.de/kurt-tucholsky.html
http://www.tucholsky-gesellschaft.de
http://www.mz-web.de/kultur—medien/interview–tucholsky-hatte-seinen-tod-gewollt-,20642198,19163626.html
http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/liter/tucholsky/