Rudi Carell

Transkript und Quellen:

Keiner konnte „Lass Dich überraschen“ so schön sagen oder besser singen, als Rudi Carell. Mit seiner stets perfekt sitzenden Flauschfrisur und einem charmanten Lächeln präsentierte der schlaksige Entertainer, der immer ein bisschen schüchtern wirkte seine mit frechen Sprüchen gespickten legendären Fernsehshows und verzauberte die gesamte Samstagabend-Fernsehfamilie vom Kind bis zu den Großeltern. Das ist heute kaum noch vorstellbar, wo es für jede Klein- und Kleinstgruppe eigene Angebote gibt, besonders in der Humorbranche. Während viele heutige Showsternchen ebenso schnell verglimmen, wie sie den Olymp der hohen Unterhaltungskunst erklommen haben, sind Carellsche Formate wie „Am laufenden Band“, „Rudis Tagesshow“, „Herzblatt“ oder „7 Tage, 7 Köpfe“ zeitlos und auch heute noch beliebt.
Auch als Sänger startete der Entertainer durch. Beim Eurovision Song Contest 1960 trat Carell für die Niederlande an. Er erreichte mit dem Lied ‚Wat een geluk’ den dreizehnten und damit drittletzten Platz. Aber der Erfolg kam doch noch. Immer dann, wenn die Temperaturen im Juli einfach nicht auf die erwarteten Sollwerte klettern, schallt es auch heute noch aus dem Radio in herrlich niederländisch akzentuiertem Deutsch: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“. Der Song war in den 70er Jahren ein richtiger Hit. „Goethe war gut, Mann der konnte reimen…“ wusste und trällerte der Showmaster, was aber für ihn kein Grund war ehrfürchtig vor dem Dichter zu erstarren, nein er reimte auch und das mit Erfolg beim Publikum.
Der gebürtige Holländer zählte zu den bekanntesten Größen der deutschen Unterhaltungskunst. Mit seinen Shows, Sketchen und Liedern schrieb er über vierzig Jahre Fernsehgeschichte und sammelte Preise wie andere Leute Pilze nach einem warmen Herbstregen. Auf den Carellschen Regalen sind sie alle zu finden, Bambi, Ehrenlöwe von Radio Luxemburg, Goldener Gong, Goldene Kamera, Rose von Montreux: Ehrenrose und und und. Eine Ehre für den Showmaster, ein Abend füllendes Programm für die, die dort Staub wischen müssen.
Rudolf Wijbrand Kesselaar wie Rudi Carell mit bürgerlichem Namen hieß, wurde am 19. Dezember 1934 als ältestes von vier Kindern von Andries Kesselaar und seiner Ehefrau Catharina Houtkooper in Alkmaar in den Niederlanden geboren. Sein Vater Andries schon war Entertainer und trat unter dem Künstlernamen André Carrell in den Niederlanden und den niederländischen Kolonien auf. Die Karriere des Sohnes begann, als er am 17. Oktober 1953 mit achtzehn Jahren in einem Gastspiel für seinen Vater einsprang. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte Rudi Carell auf die Frage, warum er eigentlich Showmaster geworden sei: „Ich wurde in dieses Geschäft hineingeboren: Auch mein Vater war Showmaster. Und meine Mutter hatte einen tollen Humor. Ich habe ihr tagein, tagaus Sketche vorgespielt. Und sie hat mir dabei zugeschaut und selig gelächelt. In der Schule habe ich meine Lehrer parodiert und bunte Abende moderiert.“ Der Vater riet ihm, das Publikum zweimal am Abend zum Weinen zu bringen. Menschen wollen nicht nur lachen, sie wollen auch gerührt sein. Diesen Spagat zwischen Lachen und Weinen hat er mit seiner Sendung „Lass Dich überraschen“ meisterlich hinbekommen und stellte selbst fest, der Alte habe doch Recht gehabt. Nach dem ersten Auftritt folgten Bühnenauftritte in ganz Holland. Ab 1965 lief die Rudi Carell Show bei Radio Bremen und Rudi reihte sich ein in die Riege der Showgrößen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff.
Der Entertainer lebte in vier festen Beziehungen, war dreimal verheiratet und hat drei Kinder. Der Kettenraucher schaffte es auf bis zu drei Schachteln Zigaretten am Tag, bis er sich mit 51 Jahren das Rauchen abgewöhnte. Im Januar 2005 diagnostizieren Ärzte Lungenkrebs. Am 2. Februar 2006 erlebten die Fernsehzuschauer einen der anrührendsten Auftritte des großen Showmasters, seinen letzten Fernsehauftritt, bei dem der schwer erkrankte Entertainer für sein Lebenswerk mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde. Aber auch in dieser bewegenden Situation bringt er das Publikum zum Lachen, als er mit brüchiger Stimme sagte: „Wie Sie hören, habe ich gewisse Probleme mit meinen Stimmbändern, doch mit dieser Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden“. Der Mann, der auf Anraten seines englischen Tutors immer aus Richtung Osten auf die Bühne kam, weil dort die Sonne aufgeht, starb am 7. Juli 2006 gegen Mittag im Alter von 71 Jahren im Klinikum Bremen-Ost. Eine öffentliche Beerdigung wollte er nicht „Aus Angst vor den Jacob Sisters, die Zitat: mit ihren komischen Pudeln jede Atmosphäre zerstören. Carell, der nie die deutsche Staatsbürgerschaft besaß sagte: „Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen.“ Wir sagen: es war ein Hochvergnügen Ihnen dabei zuschauen zu dürfen!
Quellen:
http://geboren.am/19_Dezember
http://www.rudi-carrell.eu/de/
http://www.rudi-carrell.eu/de/Rudis-letzter-grosser-Auftritt.php
http://www.ard.de/home/kultur/Rudi_Carrell_zum_5__Todestag___Da_entschied_er_sich_zu_laecheln_/64392/index.html
http://www.sueddeutsche.de/kultur/im-interview-rudi-carrell-ein-leben-danach-nein-dann-ist-es-eben-aus-1.432534
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-47603038.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Carrell

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