Christo

Transkript und Quellen:

„Eine Verpackung ist die gezielt angebrachte, wieder möglichst ohne größeren Aufwand lösbare Umhüllung eines Produktes.“ So kann man es in der Internetenzyklopädie Wikipedia nachlesen. Verpackungen wie Tuben, Eimer, Flaschen, Kisten, Kartons oder Dosen bewahren Dinge vor Zerstörung, halten sie zusammen oder sehen einfach nur schön aus. Verpackungen können Kunstwerke sein. Wie das geht, hat ein Künstler gezeigt, der am 13. Juni Geburtstag feiert. Christo wurde an diesem Tag im Jahr 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew in Gabrowo in Bulgarien geboren.
Mit sechs Jahren erhielt Christo seine ersten Zeichen- und Malstunden. Erste Berührungen mit großen Stoffbahnen hatte er in der Textilfabrik seines Vaters. Der talentierte Junge hatte ebenfalls eine Vorliebe für das Theater und inszenierte in seiner Jugend Stücke von William Sheakespare. 1953 wurde er an der Akademie der Künste aufgenommen, merkte jedoch bald, dass er sich unter der kommunistischen Herrschaft nicht entfalten konnte. Seine Flucht führte ihn über Wien und Genf nach Paris.1958 lernt er dort seine Frau Jeanne Claude kennen. Beide sind übrigens am gleichen Tag im gleichen Jahr geboren. Sie geben sich gegenseitig Unterricht: Jeanne Claude bringt ihrem Mann die französische Sprache bei, er lehrt sie Kunstgeschichte. 1960 kommt der gemeinsame Sohn Cyril zur Welt.
Jeanne Claude teilt Christos Leidenschaft. Anfang der 60er Jahre begannen sie ihre gemeinsame künstlerische Arbeit. Beide gehören fortan zu den bekanntesten Künstlern weltweit. Fernab von allen bekannten Kunstkategorien und schaffen sie ihr eigenes Genre.
Das Objekt der ersten Verhüllung im Januar 1958 war eine Farbdose. Heute sind Christos Kunstwerke gewaltig, spektakulär und vergänglich. Jeweils nur für ein paar Tagen oder Monate sind sie zu bewundern. Dann werden die umhüllten Gebäude, Brücken, Küsten und Bäume wieder ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben und die großen Rauminstallationen wie zum Beispiel die 7500 mehr als zwei Meter hohen Stahltore mit safrangelben Vorhängen, die sich wie ein goldener Fluss auf einer Länge von 37 Kilometern durch den New Yorker Central Park winden, verschwinden lautlos, als hätte es sie nie gegeben. Jedes Projekt ist einmalig. „Wir machen kein Kunstwerk zweimal. Ich werde keine Brücke mehr einpacken, keine Insel mehr umfassen, keine Schirme mehr aufstellen. Jedes Werk ist ein einmaliges Bild“, sagt Christo selbst in einem Interview. Jeanne-Claude, mit der Christo 50 Jahre zusammen lebte und arbeitete, starb vor drei Jahren. Seitdem führt der Künstler die gemeinsamen Projekte alleine weiter. Doch auch nach dem Tod seiner Frau, spricht er immer noch in der „wir“ Form, so eng war die menschliche und künstlerische Beziehung zwischen beiden.
Zu den einmaligen Kunstwerken des Paares gehören zum Beispiel Verhüllungen des Reichstags in Berlin (1994), einer Küste Australiens 1969, des Pont Neuf der ältesten Brücke von Paris 1984 und von 178 Bäumen in der Nähe von Basel 1998. Am 7. September 1991 wurden 1.340 blaue Schirme in Japan und 1.760 gelbe Schirme in Kalifornien aufgestellt und am 9. September geöffnet. Oft war es ein jahreslanger Kampf mit Behörden in verschiedenen Ländern, um die Genehmigungen für die großen Vorhaben zu bekommen. Alle Projekte wurden von dem Paar durch den Verkauf eigener Kunstobjekte selbst finanziert.
Das einzige Werk, das nicht vergänglich sein wird, setzt Christo derzeit um. In der Wüste von Abu Dhabi soll eine riesige Skulptur aus 400 Tausend bemalten Ölfässern entstehen, eine sogenannte Mastaba, benannt nach altägyptischen Steinbänken, deren Form sie haben wird. Das Projekt ist seit vielen Jahren in Planung und wird mit geplanten 340 Millionen US Dollar das bisher teuerste.
“Jeder kann solche Ideen haben. Die Schwierigkeit ist, sie zu realisieren.“ sagte einmal Christos Frau Jeanne-Claude. Beide hatten genug Phantasie, Intelligenz und vor allem die Energie um ihren Träumen Flügel zu geben. „Ich bin jetzt 77 Jahre alt. Aber, wenn sie mich so fragen: Mein Kopf ist voll mit neuen Projekten.“ verkündete Christo kürzlich und man darf gespannt sein auf weitere atemberaubende Verhüllungen und Installationen.

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