Sigmund Jähn

Transkript und Quellen:

Im Jahr 1978 wird in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik DDR ein Volksheld gefeiert. Doch der Ehrenrummel ist nichts für den fliegenden Vogtländer Siegmund Jähn, dem ersten Deutschen im All, der selbst sagt: “Es gibt nur zwei anstrengendere Angelegenheiten als den Raumflug selbst: die Ausbildung davor und die Festlichkeiten danach.”
Der kleine Prinz in der Geschichte von Antoine de Exupery musste auf seinem winzigen Planeten nur sein Stühlchen ein Stück weiter rücken und schon konnte er einen neuen Sonnenuntergang bewundern. Der bescheidene und bodenständige Vogtländer Jähn musste nur schnell genug die Erde umkreisen, um die Sonne in kurzen Abständen auf- und untergehen zu sehen. Seine Eindrücke davon kann er nur schwer in Worte fassen und sagt selbst: „Diesen Schatz, den man im Kopf hat, kann man nur unscharf vermitteln. Alle 90 Minuten ein Sonnenaufgang, das verändert einen.“
Sigmund Werner Paul Jähn wurde am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen Vogtland geboren. Der Vater war Sägewerksarbeiter die Mutter Heimarbeiterin. Nach dem Schulbesuch nahm er in Klingenthal/Vogtland eine Lehre als Buchdrucker auf und trat nach erfolgreichem Abschluss im Jahr 1955 den DDR-Luftstreitkräften wo er zum Piloten in einem Jagdgeschwader ausgebildet wurde. Es folgte ab 1966 ein Studium an der Militärakademie „Juri Alexejewitsch Gagarin“ in Monino bei Moskau. Dort wird er zum Diplom-Militärwissenschaftler ausgebildet. Bestandteil der Ausbildung war auch ein Kurs über Raumfahrt aus militärischer Sicht, bei der ein Dozent gesagt haben soll, es würde ihn nicht wundern, wenn einer seiner Studenten später selbst eine Reise ins All anträte.
Im Sommer 1976 beschloss die damalige sowjetische Regierung ein Interkosmosprogramm an dem auch die DDR zunächst mit Geräteentwicklungen beteiligt war. In den am Programm beteiligten „Bruderländern“ wurden Kandidaten für bemannte Raumflüge in Sojus-Raumschiffen zur Orbitalstation Saljut 6 gesucht. Sie mussten idealerweise Jagdflieger sein, eine große Flugtauglichkeit haben und Kenntnisse der russischen Sprache besitzen. Die ehemalige DDR schickte am 10. November 1976 vier Kandidaten ins Kosmonautenausbildungszentrum des Sternenstädtchens bei Moskau, darunter auch Sigmund Jähn. Als die Auswahlkommission ihn fragte, ob er das mit seiner Frau besprochen habe entgegnete Jähn: „Das brauche ich nicht. Entweder sie sagt ja, oder sie sagt nein und wenn sie nein sagt, mache ich es trotzdem.“
Jähn bestand alle harten medizinischen Tests wie zum Beispiel das Herumschleudern in einer Zentrifuge bestens wäre jedoch fast gescheitert an einem Test seines Riechvermögens. Ein Hals-Nasen-Ohrenarzt hielt ihm verschiedene Gerüchen unter die Nase, meist von Gewürzen. Jähn konnte sie nicht benennen. „Ich kenne mich nicht so aus in der Küche.“ Am 25. November 1976 begann für Sigmund Jähn und seinen Ersatzmann Eberhard Köllner ein fast zweijähriges missionsspezifisches Training bis der bescheidene, zielstrebige Jähn endlich am 26. August 1978 als erster Deutscher gemeinsam mit Kommandant Waleri Bykowski an Bord des Raumschiffes Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6 starten konnte.
Mit an Bord waren nicht nur das Sandmännchen und andere Erinnerungen an die Erde sondern die von Carl Zeiss Jena entwickelte Multisprektralkamera MKF-6M. Sie diente der Erdbeobachtung aus dem All. In der Station führten, Jähn und Bykowsky 25 Experimente aus den Bereichen Fernerkundung der Erde, Medizin, Biologie, Materialwissenschaften und Geophysik durch. Am 3. September 1978 kehrten sie nach 124 Erdumkreisungen und einer Flugdauer von sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten mit dem Raumschiff Sojus 29 wieder zur Erde zurück. Beim Aufprall überschlug sich die Rettungskapsel mehrfach. Jähn verletzte sich am Rücken mit bleiben Schäden. Davon war damals jedoch nirgendwo zu lesen.
Nach seinem Raumflug wurde Sigmund Jähn Chef des neu geschaffenen Zentrums für Kosmische Ausbildung bei den Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee (NVA) in Eggersdorf bei Strausberg. Er promovierte 1983 am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam mit einem Thema zur Fernerkundung der Erde und blieb bis 2002 als ESA-Berater im Sternenstädtchen. Heute lebt Jähn mit seiner Frau mit einer bescheidenen Rente in Strausberg bei Berlin. Er ist mit Vorträgen auch weiterhin in Sachen Raumfahrt aktiv. Zukunftsprojekte wie die bemannte Mission zum Mars findet der Vater von zwei Töchtern spannend, meint jedoch dazu: «Bevor wir uns mit solchen Dingen detailliert beschäftigen, müssen wir alle zusammen dafür sorgen, dass diese Welt – die ich von oben gesehen habe – nicht weiter zerstört -, sondern in Stand gehalten wird.»
Quellen:
http://raumzeit-podcast.de/2011/04/08/rz012-sigmund-jaehn/#t=1:09.381
http://www.spiegel.de/thema/sigmund_jaehn
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40606092.html
http://www.esa.int/ger/ESA_in_your_country/Germany/Biografie_von_Sigmund_Jaehn
http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel75724.html
http://www.welt.de/regionales/berlin/article13864542/Kult-Kosmonaut-Sigmund-Jaehn-wird-75.html
http://de.ddr2.wikia.com/wiki/Multispektralkamera_MKF-6
http://www.news.de/panorama/855080236/ddr-held-mit-duerftiger-kosmonauten-rente/1/

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