Paul Lincke

Transkript und Quellen:

Nicht nur Berliner, auch jeder Nichtberliner kann das Lied „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft…..“ pfeifen, singen, summen oder brummen, je nach Musikalität. Es war Paul Lincke, der dieses Lied zu einem Symbol für ein freies Lebensgefühl in Berlin machte. Dieses besondere Verständnis von Laissez faire, des „einfach laufen lassens“ der Dinge und die Kunst das Leben leicht zu nehmen wird in diesem Lied deutlich. Heißt es doch in der ersten Strophe schon vergnüglich: „Berlin! Hör ich den Namen bloß, da muss vergnügt ich lachen! Wie kann man da für wenig Moos den dicken Wilhelm machen!“ Die Berliner Luft ist weltbekannt und gilt als inoffizielle Hymne der Stadt. Die Berliner Philharmoniker schließen stets mit ihr die Saison in der Berliner Waldbühne ab.
Der Schöpfer dieses weltbekannten Liedes, der deutsche Komponist und Theaterkapellmeister Carl Emil Paul Lincke gilt als Vater der Berliner Operette. Er wurde am 7. November 1866 als Sohn des Magistratsdieners August Lincke und seiner Ehefrau Emilie in Berlin geboren. Die Musikalität hatte er anscheinend von seinem Vater geerbt. August Lincke spielte als Geiger in mehreren kleinen Orchestern. Der kleine Paul ist erst fünf Jahre, als der Vater stirbt. Die Mutter schickte den Sohn nach Abschluss der Realschule nach Wittenberge, wo er in der Wittenberger Stadtmusikkapelle von Rudolf Kleinow als Fagottist ausgebildet wurde. Er konnte auch Tenorhorn, Schlagzeug, Klavierspiel und Geige spielen. Eine besondere Vorliebe hatte Lincke zur Militärmusik. Seine Berliner Luft wird auch sehr gerne von Militärkapellen gespielt. Militärmusiker werden konnte er allerdings nicht. Seine Körpermaße entsprachen nicht den dafür vorgesehenen Vorschriften.
Paul Lincke erhielt ein erstes Engagement als Fagottist am damaligen Central-Theater in der Alten Jakobstraße und wechselte bereits nach einem Jahr in das Orchester des Ostend-Theaters in der Großen Frankfurter Straße. Dort traf ihn Amors Pfeil. Er verliebte sich in die damals erst 16-jährige Soubrette Anna Müller. Ein Jahr später heiraten die beiden. Anna feierte später unter dem Namen Müller-Lincke große Triumphe beim Berliner Publikum. Erfahrungen mit Unterhaltungs- und Tanzmusik sammelte Lincke am Königsstädtischen Theater, dem Belle-Alliance-Theater, dem Parodie-Theater in der Oranienstraße und am berühmtesten europäischen Varieté, den Folies Bergère in Paris.
Mit riesigem Erfolg wurde 1899 die Operette Frau Luna im Apollo Theater Berlin uraufgeführt. Die typische Berliner Operette war geboren. Hauptschlager des erfolgreichen Werkes waren ebenjene Berliner Luft und „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“. Frau Luna ist aber nur eine seiner erfolgreichen Operetten zu denen Werke zählen wie Venus auf Erden, Im Reiche des Indra, Fräulein Loreley, Lysistrata, Nakiris Hochzeit, oder Der Stern von Siam, Prinzeß Rosine, Grigri, Casanova und Ein Liebestraum.
Im Jahr 1901 traf er Frida Klara Bertha Tilmes eine junge Schauspielerin, die unter dem Künstlernamen Ellen Sousa auftrat. Beide verband eine tiefe Zuneigung und Leidenschaft. Bereits wenige Wochen nach dem Kennenlernen zog die junge Frau in Linckes Wohnung in der Oranienstraße 64 ein. 1902 kommt der gemeinsame Sohn Edwin Erwin Paul zur Welt. Geheiratet haben beide nie. Lincke verlangte von Ellen Sousa, dass diese nun der Bühne fernbleiben und sich ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter widmen sollte. Er gibt ihr sechs Tage Bedenkzeit und fährt weg um ein Gastspiel zu geben. Nach seiner Rückkehr sind Mutter und Kind verschwunden. Einige Jahre später heiratete Ellen Sousa einen Großkaufmann und folgte ihm nach Dresden. Der Kaufmann adoptierte das Kind ohne Einwände Linckes. Der komponiert daraufhin den Walzer „Verschmähte Liebe“. Spätere amouröse Erlebnisse des Komponisten waren nie von längerer Dauer.
Paul Lincke soll zeitlebens Monarchist gewesen sein. Dass die Nazis seine Popularität für ihre Zwecke nutzten, scherte ihn nicht. Nach Kriegsende wollte Lincke nach Berlin zurückkehren. Er übersiedelte zunächst in den oberfränkischen Ort Arzberg, wo der gesundheitlich angeschlagene Komponist das Klima nicht vertrug.
Freunde in Lautenthal (Oberharz) sorgten für seine Übersiedlung nach Hahnenklee in der Nähe von Goslar. Dort verbrachte er die letzten zwei Monate seines Lebens und starb am 3. September 1946 kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres.
Paul Lincke zu Ehren wird seit 1955 der Paul-Lincke-Ring für besondere Verdienste auf dem Gebiet der »leichten Muse« verliehen. Zu den Ausgezeichneten gehören Künstler wie René Kollo, Udo Jürgens, Peter Maffay, Annette Humpe, Die Fantastischen Vier, Max Raabe, Udo Lindenberg, Rolf Zuchowski und Silbermond.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Luft_%28Paul-Lincke-Lied%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lincke
http://www.hahnenklee.de/index.php/kultur/paul-lincke
http://books.google.de/books?id=F0a4mmxa5-UC&pg=PA26&dq=hitlerzeit+paul+lincke&hl=de&sa=X&ei=Scl3Uvz3GsHWswazgoDYDA&ved=0CEIQ6AEwAg#v=onepage&q=hitlerzeit%20paul%20lincke&f=false

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